Zur Geschichte der evangelischen Kirchenkreise in Westfalen 1818–2018

Amtsblatt Münster 1818 207Im Anschluss an den Wiener Kongress und die Schaffung u.a. der preußischen Provinz Westfalen richtete man im Jahr 1818 als kirchliche Mittelebene die Kirchenkreise (»Diöcesen«) ein. Im Jahr 2018 können die westfälischen Kirchenkreise (derzeit bestehen 28 evangelische Kirchenkreise mit insgesamt 494 evangelischen Kirchengemeinden) demnach auf eine 200-jährige Geschichte zurückblicken. Nur drei Kirchenkreise (Iserlohn, Siegen und Wittgenstein) existieren dabei weitgehend in ihrer ursprünglichen Form; die meisten westfälischen Kirchenkreise entstanden hingegen durch Gebietsteilungen im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts.

In der Vergangenheit sprach man nicht vom »Kirchenkreis«, sondern zunächst von »Diöcese«, wenn es um die äußere Gestalt der Gemeindeverbindung ging, und man sprach von »Kreissynode«, wenn es um die Treffen der Pfarrer aus diesen Gemeinden ging. Gebräuchlich war später der Begriff »Kreisgemeinde«, dem in der revidierten Kirchenordnung von 1923 der »Kirchenkreis« an die Seite gestellt wurde. Erst die Kirchenordnung von 1953 verwendet ausnahmslos den Begriff »Kirchenkreis«.

Im Rundbrief des Evangelischen Pfarrvereins in Westfalen »PV-Info«, Nr. 1 / März 2018, Seite 8-16, werden Etappen der Kirchenkreisgeschichte nachgezeichnet und die junge kirchengeschichtliche Disziplin der »Kirchenkreisgeschichtsforschung« vorgestellt:

Jens Murken:
»Die neue Diöcesan-Eintheilung wird hiemit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.«
Zur Gründung und Geschichte der evangelischen Kirchenkreise in Westfalen 1818–2018

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Link: Ausgaben von PV-Info des Pfarrverein Westfalen

 

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Vom Mittelweg der Bekenntnisse auf die Überholspur der Reformation

Das Luthertum in Steinhagen und der Grafschaft Ravensberg vor annähernd 500 Jahren

Im Jahr 2017 feierte die Evangelische Kirche in Deutschland das 500-jährige Jubiläum der Reformation. Historischer Hintergrund ist dabei der Thesenanschlag von Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517. Dabei ist umstritten, ob Luther seine 95 Thesen gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen überhaupt eigenhändig an die Holztüren der Wittenberger Schlosskirche genagelt hat. Historisch belegbar ist, dass Luther, der damals Theologieprofessor in Wittenberg war, seine Thesen am 31. Oktober 1517 zusammen mit einem Brief an Albrecht von Brandenburg sandte. Dieser war Erzbischof von Magdeburg, Administrator des Bistums Halberstadt und seit 1514 zusätzlich Erzbischof von Mainz. 1518 wurde der mächtige Erzbischof sogar Kardinal. In seinem Auftrag war der Ablassprediger Johann Tetzel in den Bistümern Halberstadt und Magdeburg tätig. Erzbischof Albrecht reagierte nicht auf die Thesen, so dass Luther sie Bekannten und Kollegen an der Universität Wittenberg weitergab, von wo aus sie noch im Jahr 1517 als Abschriften in die nächstgelegenen Großstädte Nürnberg und Leipzig gelangten und – nunmehr in gedruckter Form in einer Auflage von rund 600 Exemplaren – rasch für eine breite öffentliche Debatte im gesamten Heiligen Römischen Reich deutscher Nation sorgten. Luther hatte sich bereits vor dem 31. Oktober 1517, dem späteren „Reformationstag“, in Predigten gegen den Ablasshandel ausgesprochen, aber auch eine neue Theologie entworfen. Einer ihrer Grundgedanken lautet in etwa: „Gute Werke machen keinen frommen Menschen, aber ein frommer Mensch tut gute Werke!“

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Der Reformationstag 2017 war aus Anlass des Beginns der Reformation vor 500 Jahren einmalig ein gesamtdeutscher gesetzlicher Feiertag. Seit der deutschen Wiedervereinigung ist der 31. Oktober ansonsten vor allem in den neuen Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesetzlicher Feiertag. Die Reformation war indes kein Ereignis, sondern ein Geschehen, ein langwieriger Prozess, an dessen Beginn keinesfalls die Spaltung der christlichen Kirche beabsichtigt war. Es gab im 15. und 16. Jahrhundert zahlreiche kirchliche Reformbewegungen, unter anderem aus den Reihen der Humanisten, wie Erasmus von Rotterdam (um 1466-1536). Auch fand die Reformation nicht im gesamten Reich gleichermaßen und zur selben Zeit Eingang. Die weltlichen und geistlichen Herrscher der damaligen Zeit unterstützten die Reformation aus innerer Überzeugung oder aus machtpolitischen Bestrebungen auf unterschiedliche Art und Weise, waren ihre Befürworter oder Gegner – oder wechselten ihre Position. Das 16. und 17. Jahrhundert entwickelte sich zu einer konfliktreichen Zeit, in der die sich ausprägenden Konfessionen (katholisch / evangelisch) Anlass boten für Spaltungen, Auseinandersetzungen und verlustreiche Kriege – kulminierend im Dreißigjährigen Krieg zwischen 1618 und 1648. Das war lange nach Luther, und neben den Lutheranern hatte sich mit der Bibelauslegung des französischen Reformators Johannes Calvin (1509-1564) von Genf aus eine zweite evangelische Religionspartei – die Reformierten – gebildet. Und sind auch weder Luther noch Calvin jemals persönlich in Westfalen gewesen (und sich auch nicht persönlich begegnet), so hat sich auch in den verschiedenen westfälischen Territorien die Spaltung des mittelalterlichen Christentums vollzogen. Die Reformation hielt je nach Landesherr oder Stadtregierung mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und Langzeitwirkung Einzug („cuius regio, eius religio“ – „wessen Land, dessen Glaube“). Aus diesem Grunde ist Reformation nicht als Ereignis eines Datums, sondern als ein vielfach langer Prozess zu verstehen. Die Priester und Pfarrer vor Ort sind in ihrer konfessionellen Haltung im 16. Jahrhundert nicht immer genau zu verorten. Es sind viele Mischformen von katholischen und evangelischen Frömmigkeits-, Glaubens- und Lebensformen zu identifizieren. Der Zölibat beispielsweise war vielfach nicht existent, wenn Priester mit ihrer Magd zusammenlebten und gemeinsame Kinder hatten. Aber erst eine öffentliche Eheschließung und Familiengründung machte daraus ein reformatorisches Ereignis im lutherischen Sinne. Auch praktizierte man vielerorts noch die herkömmliche Heiligenverehrung, z.B. mit Kerzen- und Geldopfern, während zugleich schon evangelisch gepredigt wurde. Die Einführung (und Annahme) von lutherischen Kirchenordnungen erst sollte für mehr Klarheit in der religiösen Praxis sorgen.

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Dorfkirche in Steinhagen (Postkarte, undatiert). – Die Anfänge dieses Kirchbaus reichen bis in das Mittelalter zurück.

Steinhagen gehörte zur Grafschaft Ravensberg, die im 16. Jahrhundert wiederum Teil der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg war. Zwischen 1521 und 1609 regierten drei Herzöge aus dem Haus der Grafen von der Mark nacheinander in diesem Territorium: Johann III. bis 1539, dessen einziger Sohn Wilhelm V. bis 1592 und wiederum dessen Sohn Johann Wilhelm bis 1609, der jedoch aufgrund einer Geisteskrankheit regierungsunfähig war. Nach dem konfessionell aufgeladenen Jülich-Klevischen Erbfolgestreit (1609-1614) fielen das Herzogtum Kleve, die Grafschaft Mark und die Grafschaft Ravensberg an den zunächst lutherischen, aber an Weihnachten 1613 zum Calvinismus konvertierten Markgrafen von Brandenburg und Kurfürsten des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, Johann Sigismund aus dem Haus Hohenzollern, das später auch die preußischen Könige und deutschen Kaiser bis zu Wilhelm II. (1888-1918) stellte.

Die beiden regierungsfähigen Herzöge Johann und Wilhelm waren keine Verfechter der Reformation. Sie vertraten hingegen, gemeinsam mit ihren Regierungsräten, eine „humanistische Reform“. Dieser von Erasmus beeinflusste vermittelnde Weg („Via media“) sollte durch Bibelfrömmigkeit und verbesserte Seelsorge zur Erneuerung der katholischen Kirche führen. Herzog Wilhelm V., aufgrund seines umfangreichen Herrschaftsgebietes „Wilhelm der Reiche“ genannt, gelobte dem Kaiser noch 1543, katholisch zu bleiben und den Protestantismus zu bekämpfen. Doch tatsächlich tolerierte er einige reformatorische Praktiken, wie die Kommunion unter beiderlei Gestalt. Dabei reichte der Priester den Gläubigen beim Abendmahl sowohl Brot als auch Wein. Der Herzog erhoffte damit, die Protestanten wieder integrieren zu können. Bereits eine herzogliche Kirchenordnung aus den Jahren 1532/33 unternahm den Versuch, kirchliche Missstände zu benennen und zu beheben. Auch sollten die Gläubigen besser unterrichtet werden, was ein Anliegen des Humanismus war. Man sollte ihnen die Zehn Gebote ebenso erklären wie die richtige Form des Betens, z.B. beim Vaterunser. Die lutherische Reformation wurde hingegen abgelehnt.

Eine herzogliche Visitationskommission, bestehend aus zwei adligen Ravensberger Beamten, nahm ab September 1533 eine Art Kontrollbesuch in den Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen der Grafschaft Ravensberg (und somit auch in Steinhagen) vor, um die Durchführung der Kirchenordnung zu überprüfen und um Missstände aufzudecken. Dafür wurden Pfarrer und „erbare kirspelslude“ mündlich über die herrschenden Zustände befragt. Demnach war ein gleichnamiger Sohn des verstorbenen Ravensberger Drosten, also des Amtmannes, Theodor von Lüning formal seit 1520 Pastor der Gemeinde Steinhagen – und blieb dies viele Jahre lang, bis zu seinem Tod 1583. Aber er war nicht selbst vor Ort („residiert nit selfs“), sondern ließ sich im Laufe der Zeit durch mehrere Vikare bzw. „Vizekuraten“ vertreten, die ihn dafür zudem noch entlohnen mussten: „Der vicarius gift jarlichs dem pastoir 17 gulden“. Diese Pfarrpacht war vergleichsweise hoch. Das Abendmahl empfingen in der Gemeinde Steinhagen rund 200 „Communicanten“, was etwas über die Einwohnerzahl jener Jahre verrät, als das Dorf Steinhagen etwa 40 Wohnstätten umfasste. Ebenso selten wie wertvoll war damals Bücherbesitz des Ortsgeistlichen – 50 Bücher wären ein großer Bücherschatz gewesen. Der Pastor in Steinhagen besaß aber nur einige wenige „alde boecher“ praktisch-theologischen Zuschnitts. Er hatte jedoch eine Partnerin gehabt, teilte mit dieser unterdessen aber nicht mehr das Bett: „Der pastoir, als die kirspelsluide sagen, hat ein magd bi sich, da er in furziden bi gelegen hat, aver jetzt verlaßen“. Wäre dies nicht der Fall gewesen, dann hätte man den Pastor amtlicherseits aufgefordert, das Verhältnis zu beenden und die Magd wegzuschicken. Gleichwohl war der Bruch des Zölibats nicht gleichzusetzen mit einer Hinwendung zur Reformation. Bei Theodor von Lüning ist unklar, inwieweit er reformatorisch gesinnt war. Geheiratet hat er später jedenfalls; seine Ehefrau war Frede von Landsberg.

Ab Mitte des 16. Jahrhunderts kam man jedoch an der lutherischen Reformation kaum vorbei. Denn der theologische Nachwuchs rekrutierte sich zunehmend aus protestantischen Universitäten. Reformkatholische Prediger waren hingegen „wenig zu bekommen“, wie der Herzog 1562 schrieb. In den Kirchengemeinden etablierten sich aus diesem Grunde lutherische Prediger. Auch die Obrigkeit öffnete sich allmählich dem Luthertum und akzeptierte (auch rechtlich) jene Untertanen, die sich zur „Augsburger Konfession“ hielten. So wird auch die Reformation in Steinhagen langsam „eingesickert“ sein, dies möglicherweise mit dem Wechsel der verschiedenen Vizekuraten, die den „pastor verus“ (von Lüning) als Ortsgeistliche („pastor residens“) vertraten. Namentlich bekannt sind nur einige von ihnen. Albert Wenschendorf amtierte in dieser Funktion von etwa 1543 bis 1546. Nach 1546 wirkte für zwei Jahre Jodocos Wicht (genannt Hanebom) als Vizekurator in Steinhagen. Man vermutet, dass die Gläubigen durch ihn erstmalig mit reformatorischem Gedankengut in Berührung kamen. Der in Herford geborene Wicht hatte an der Universität Köln studiert. Dort, in der weltoffenen Großstadt, hatten sich humanistische und reformatorische Strömungen und deren gelehrte Vertreter Gehör verschaffen können. Wicht war Ende April 1546 an der Kölner Universität immatrikuliert worden – keine zwei Wochen, nachdem der dem Protestantismus zugewandte Kölner Erzbischof Hermann von Wied auf Druck des katholischen Kaisers Karl V. vom Papst exkommuniziert worden war und die Kölner Reformation zunehmend scheiterte. Nach seiner kurzen Zeit in Steinhagen übernahm Jodocus Wicht eine Pfarrstelle in der Bielefelder Altstadt, wo er im reformatorischen Sinn tätig geworden sein soll. Spätere Dokumente führen Wichts Nachfolger Jodocus Vehmeyer (1548-1583) als ersten Pfarrer nach der Reformation in Steinhagen an. Zumindest zwischen 1573 und 1576 wurde er in seinem Amt, vermutlich aus Altersgründen, durch Andreas Reichenberg als „Adjunkt“ unterstützt. Dieser hatte zuvor bereits als Pfarrer im Braunschweigischen amtiert, wo die Reformation längst zur Durchsetzung gelangt war. Vehmeyer verstarb am 22. Juli 1583 und damit im selben Jahr wie der eigentliche Inhaber der Pfarre, Theodor von Lüning. Bereits im August 1583 berief man den Bielefelder Bürgersohn Ludolf Koch in das Pfarramt, das er aber erst 1592, wohl nach dem Abschluss seines Studiums in Helmstedt, antrat. Zwischenzeitlich verwalteten „Pfarrverweser“ die Pfarrstelle ersatzweise, zunächst, von 1583 bis 1585, Henrich Binch, der dann Pfarrer in Herford wurde. Der anschließend bis 1592 als Pfarrstellenverwalter in Steinhagen wirkende Johannes Tetzler soll nachweislich der erste Geistliche in Steinhagen gewesen sein, der schon als Student im Gedankengut der Reformation aufwuchs, da er 1566 an der Universität Wittenberg, also an der Wirkungsstätte der Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon, immatrikuliert worden war. Als die Reformatoren der ersten Generation längst verstorben waren, da lebte die lutherische Reformation in der Grafschaft Ravensberg und in Steinhagen – nach einem längeren Zwischenstopp auf der „Via media“ – erst auf. Das Datum der Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers vor 500 Jahren stellt insofern zwar den Abschluss der „Reformationsdekade“ der Evangelischen Kirche in Deutschland dar. Es bildet zugleich aber den Auftakt für die Erinnerung an das Zeitalter der Reformation in unserer Region.

(Jens Murken)

 

 

Filmprojekt „Aus Schweden kein Wort“

Das Ergebnis eines langen, einfühlsamen Filmprojekts von Carl Svensson – entstanden u.a. auch bei uns im Landeskirchlichen Archiv Bielefeld, mit Recherchen von Birgitta von Otter in der „Sammlung“ Kurt Gerstein (1905-1945).

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Aus Schweden kein Wort
Ein Diplomat und der Holocaust

Film von Carl Svensson, 2017, 92 min.

Ein Nachtzug, mitten im 2. Weltkrieg. Eine Zufallsbegegnung. Ein deutscher SS-Offizier trifft auf einen schwedischen Diplomaten und erzählt ihm von den Verbrechen des Holocaust. Der Schwede Göran von Otter ist einer der Ersten überhaupt, der Details erfährt. Aber nach der Begegnung der Männer geschieht nichts. Warum? Die Töchter der beiden Männer verfolgt dieses Ereignis bis heute. Der Film begleitet die Beiden auf ihrer Suche nach der Wahrheit und erzählt dabei nicht nur vom Horror des Dritten Reiches, sondern auch eine bis heute aktuelle Geschichte über persönliche und kollektive Schuld.

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Erst aus einer alten Fernsehsendung erfährt Birgitta von Otter, dass ihr Vater Göran als einer der Ersten überhaupt von den grausamen Verbrechen an den Juden erfahren hat – aus erster Hand vom SS-Offizier Kurt Gerstein in einem Nachtzug mitten im 2. Weltkrieg. Den Vater hat diese Begegnung sein ganzes Leben lang beschäftigt, darüber gesprochen hat er aber kaum. Was genau ist damals geschehen? Hat ihr Vater trotz seines Wissens nichts unternommen oder konnte er nichts erreichen?

Birgitta geht auf Spurensuche und trifft die Tochter des SS-Mannes Gerstein. Die beiden Frauen verbindet die schicksalhafte Begegnung ihrer Väter, einer Begegnung, die auch noch 70 Jahre später ihr Leben beeinflusst. Gemeinsam versuchen sie, die Vergangenheit zu verstehen.

Der Film erzählt eine emotionale Geschichte über Scham und persönliche Schuld, aber auch von der Rolle Schwedens und seiner Verantwortung im Zweiten Weltkrieg.

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Im Bild: Kurt Gerstein (links), Göran von Otter (rechts)

Die evangelischen Gemeinden in Westfalen, Band 2

gb2Die evangelischen Gemeinden in Westfalen
Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart
Band 2: Ibbenbüren bis Rünthe

von Jens Murken im Auftrag der Evangelischen Kirche von Westfalen

(Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen, Band 12)

1088 Seiten, Bielefeld 2017, 59,00 €

Verlag für Regionalgeschichte (ISBN 978-3-7395-1012-5) und Luther-Verlag (ISBN 978-3-7858-0526-8)

Der nunmehr vorgelegte Band 2 für die insgesamt 218 Kirchengemeinden von Ibbenbüren bis Rünthe konnte, im Vergleich zum ersten Band, auf zusätzliche einschlägige Quellen aus dem Landeskirchlichen Archiv der Evangelischen Kirche von Westfalen zurückgreifen. Er geriet dadurch noch etwas umfänglicher, aber auch gehaltvoller als Band 1 – insbesondere im Blick auf das 20. Jahrhundert und damit auf die Zeit des „Kirchenkampfes“ während der Zeit des Nationalsozialismus sowie auf die Aufbauphase zahlreicher neuer Gemeinden in der Bundesrepublik im Zuge der Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges bis Mitte der 1970er Jahre.

Inhalt: Ibbenbüren, Ickern, Ickern-Henrichenburg, Ihmert, Isenstedt-Frotheim, Iserlohn, Isselhorst, Jöllenbeck, Kaan-Marienborn, Kamen, Kattenvenne, Kemminghausen, Keppel, Kierspe, Kirchhellen, Kirchhörde, Kirchlengern, Kirchlinde-Rahm, Klafeld, Kleinenbremen, Königssteele, Kreuztal, Krombach, Laar, Ladbergen, Lahde, Langenbochum-Scherlebeck, Langendreer, Langendreer-Wilhelmshöhe, Langerfeld, Langewiese, Lanstrop, Ledde, Leeden, Lendringsen, Lengerich, Lengerich-Hohne, Lennestadt-Kirchhundem, Lerbeck, Letmathe, Levern, Lichtenau, Lienen, Linden, Lindenhorst, Lipperode, Lippinghausen, Lippstadt, Lohe, Lohne, Löhne, Lotte, Löttringhausen, Lübbecke, Lüdenscheid, Lüdinghausen, Lügde, Lünen, Lünen-Horstmar, Lünern, Lütgendortmund, Mahnen, Marienmünster-Nieheim, Mark, Mark-Westtünnen, Marl, Marl-Hamm, Marl-Lenkerbeck, Marsberg, Marten, Massen, Medebach, Meinerzhagen, Meiningsen, Menden, Mengede, Mennighüffen, Meschede, Methler, Mettingen, Milse, Milspe, Minden, Möhne, Münster, Müsen, Nachrodt-Obstfeld, Nächstebreck, Neheim, Netphen, Nette, Nettelstedt, Neubeckum, Neuengeseke, Neuenkirchen-Wettringen, Neuenrade, Neunkirchen, Niederdresselndorf, Niederschelden, Niederwenigern, Nienberge, Nierenhof, Nordwalde-Altenberge, Nottuln, Oberaden, Oberbauerschaft, Oberbrügge, Oberdorstfeld, Oberfischbach, Oberholzklau, Oberlübbe-Rothenuffeln, Obernbeck, Oberrahmede, Ochtrup-Metelen, Oeding, Oeding-Stadtlohn-Vreden, Oelde, Oer-Erkenschwick, Oespel-Kley, Oestrich, Oestrich-Deininghausen, Oetinghausen-Lippinghausen, Oeventrop, Ohle, Oldentrup, Olfen, Olpe, Olsberg, Olsberg-Bestwig, Opherdicke, Oppenwehe, Osterfeld, Ostönnen, Ovenstädt, Paderborn, Peckelsheim, Pelkum, Pelkum-Wiescherhöfen, Petershagen, Plettenberg, Preußen, Preußisch Oldendorf, Preußisch Ströhen, Quelle-Brock, Querenburg, Rahden, Rahmede, Ramsbeck-Andreasberg, Ramsbeck-Neuandreasberg, Raumland, Rauxel, Recke, Recklinghausen, Recklinghausen-Hillerheide, Rehme, Resse, Resser Mark, Rheda, Rheda-Wiedenbrück, Rhede, Rheine, Rhynern-Drechen, Rietberg, Rödgen, Rödgen-Wilnsdorf, Rödinghausen, Röhlinghausen, Rönsahl, Rotthausen, Roxel, Rüdinghausen, Rüggeberg, Rummenohl, Rünthe.

Evangelische Jugend- und Schülerarbeit im Kontext des Nationalsozialismus

bkcoverBibelkreise zwischen Aufbruch und Auflösung
LWL präsentiert Film zur evangelischen Jugendarbeit von 1883 bis in die 1930er Jahre

1933 wurden alle evangelischen Jugendgruppen in die Hitler Jugend eingegliedert. Damit waren auch die Schülerbibelkreise gezwungen, ihre Arbeit einzustellen. Wie es dazu kam, erzählt der Film „Bibelkreise zwischen Aufbruch und Auflösung. Evangelische Jugendarbeit von 1883 bis in die 1930er Jahre“, den der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in Zusammenarbeit mit dem Verein Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen (BK) e.V. am 24.5.2016 in Hagen-Berchum der Öffentlichkeit präsentierten.

Im Sommer 1933 hatten der „Bund Deutscher Bibelkreise“ noch sein 50-jähriges Bestehen mit einem großen Zeltlager gefeiert. Tausende Jungen waren der Einladung des evangelischen Jugendverbandes gefolgt und kamen in die bei Bielefeld gelegene Senne. Der vom LWL-Medienzentrum für Westfalen produzierte Film beleuchtet nicht nur diese Zeit entscheidender Umbrüche, sondern vermittelt einen Eindruck von der gesamten wechselvollen Geschichte der 1883 als „Bibelkränzchen“ gegründeten Jugendorganisation – von ihren Anfängen bis hin zur Auflösung 1934 sowie der Weiterarbeit im Geheimen und den Neuanfängen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zwei Kapitel sind den beiden eng mit der Geschichte der Bibelkreise verbundenen Persönlichkeiten Theodor Noa und Kurt Gerstein gewidmet. Der evangelische Pfarrer Noa gründete 1923 den „Geschäftsführenden Verein der Bibelkreise unter Schülern höherer Lehranstalten Westfalens“ mit Sitz in Hagen und baute unter anderem die Schullandheime Berchum bei Hagen und Beienbach bei Siegen mit auf. Gerstein übernahm 1928 die Leitung und Verwaltung des BK-Heimes in Berchum und wurde zu einer führenden Persönlichkeit im Bund Deutscher Bibelkreise – und später ein wichtiger Augenzeuge des Holocaust.

Die Dokumentation von Christine Finger erscheint in der Reihe „Westfalen in historischen Filmen“ auf DVD. Sie basiert im Wesentlichen auf 16mm-Filmen, die Anfang der 1930er Jahre während Ferienfahrten, Ausflügen und den Reichslagern des Bundes Deutscher Bibelkreise gedreht wurden. In der Evangelischen Jugendbildungsstätte Hagen-Berchum überdauerte der Filmbestand die Zeiten, bevor sich das LWL-Medienzentrum und der Verein Evangelische Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen (BK) e.V. mit Unterstützung des Landeskirchlichen Archivs der Ev. Kirche von Westfalen des Bestandes angenommen haben. Die wichtigsten vier Filmquellen aus den Jahren 1931 bis 1935 wurden digitalisiert und befinden sich als Originalfilme mit einer Gesamtspieldauer von ca. zweieinhalb Stunden ebenfalls auf der DVD.

Das Begleitheft zur DVD „Bibelkreise zwischen Aufbruch und Auflösung. Evangelische Jugendarbeit von 1883 bis in die 1930er Jahre“ (Download) beinhaltet mehrere Beiträge, u.a. zu Traditions- und Trennlinien evangelischer Jugend- und Schülerarbeit im Kontext des Nationalsozialismus (S. 6-27).

Orte der Reformation: Region Ruhr

eva_cover_04263_OdR_28_RuhrMartin Grimm und Johannes Schilling (Hrsg.):
Region Ruhr
Orte der Reformation, 28
2016

112 Seiten | 22 x 28 cm
mit zahlr., meist farb. Abb., Journal
ISBN 978-3-374-04263-0
9,90 EUR

 

Die Städte und Regionen, die man heute als Ruhrgebiet kennt, zählen historisch nicht gerade zu den Kernlanden der Reformation. Die prägenden Persönlichkeiten der Reformationszeit waren nie hier: im Westen des heutigen Deutschlands. Und doch haben auch diese sehr unterschiedlichen Gebiete ihre eigene(n) Reformationsgeschichte(n).
Das Journal erzählt anschaulich und reich bebildert, wie die Region Ruhr lutherisch wurde. Diese besondere Reformationsgeschichte ist über weite Strecken auch eine Zuwanderungsgeschichte in ein Ballungsgebiet mit heute rund 5,1 Mio. Einwohnern. Die Beiträge schlagen Brücken von den Anfängen der Reformation bis in die heutige Zeit – mit vielen Facetten, die Stärken und Schwächen, Eigenschaften und Eigenarten dieser vielfältigen Metropolregion deutlich werden lassen.

Inhalt:
Fischer, Thorsten: Die Salvatorkirche in Duisburg.
Basse, Michael: Protestantismus im Ruhrgebiet.
Dröge, Ulrich: Die St. Reinoldi-Kirche in Dortmund als Ort der Reformation.
Jähnichen, Traugott: Protestantismus im Ruhrgebiet.
Basse, Michael: Protestantismus in Dortmund.
Selderhuis, Herman J.: Niederländer an Ruhr und Rhein.
Schöps, Thomas: DieKirche der Kulturen – ein lebendiger und kraftvoller Ort.
Conrad, Werner: Das Martin Luther Forum Ruhr.
Hagmann, Gerald: Die St. Vinzentius-Kirche Harpen.
Buß, Alfred: Fußballgott und Teufelskerle.
Holthuis, Albrecht: Ein evangelischer Dom zeugt vom „gastfreundlichen Wesel“.
Scheytt, Oliver: Die Kreuzeskirche und das Forum Kreuzeskirche Essen.
Nieden, Marcel: Reformation in Essen.
Nieden, Marcel: Reformation in Duisburg.
Duncker, Gerhard: Begegnungen von Christen und Muslimen im Ruhrgebiet.
Damm, Ruth-Anne „All jene, die zuhören, werden selbst zum Zeugen werden“.
Drexl, Magdalena: „Der geteilte Himmel. Reformation und religiöse Vielfalt an Rhein und Ruhr“.
Bartelworth, Martin: „Es ist alles verloren, sie singen!“.
Brakelmann, Günter: Hans Ehrenberg.
Friedrich, Norbert: Diakonie und Innere Mission im Ruhrgebiet.
Gehring, Heinrich: Die Marktkirche von Essen (St. Gertrudis).
Murken, Jens: „Die ersten Kinder der Reformation“. Zuwanderer und der Bergbau beim Aufbau evangelischer Kirchengemeinden im Ruhrgebiet (S. 46-51).
Overbeck, Franz-Josef: Ökumene im Ruhrgebiet.
Basse, Michael: Biogramme zur Geschichte des Ruhrgebietsprotestantismus.

Evangelisch in Dortmund und Lünen 1517 bis 2017

Ev. Kirchenkreis Dortmund (Hrsg.):
Evangelisch in Dortmund und Lünen
1517 bis 2017
erschienen am 15.10.2015
368 Seiten, zahlr. farb. Abb., Hardcover, 22,95 €
ISBN: 978-3-8375-1032-4
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In 42 Beiträgen schildern die Autorinnen und Autoren interessante Episoden vom 16. Jahrhundert bis heute. Portraits von Frauen und Männern, die sich in Kirche und Diakonie engagiert haben, ergänzen die historischen Beiträge.

Inhalt des Buches:
Hermann-Ulrich Koehn – Sehr geehrter Doktor Luther!
– Das Licht des Evangeliums entdecken
Christian Helbich – Antiklerikalismus – Reform – Reformation. Stationen auf dem Weg zum lutherischen Bekenntnis
Christian Helbich – Johannes Lambach und Jakob Schöpper. Zwei Dortmunder Gelehrte der Reformationszeit
Michael Basse – Christoph Scheibler. Erster Superintendent und Gymnasiarch
Günter Birkmann – Christoph Scheiblers Goldgrube
Christian Helbich – Die Reformation im Fest. Dortmunder Reformationsjubiläen von der Frühen Neuzeit bis heute
– Kirche, Kanzel und Katheder
Thomas Schilp – Kirche und Stadtöffentlichkeit. Aus der Geschichte von Stadt und St. Reinoldi
Roland Pieper – Architektur als Erbe des Mittelalters. Vorreformatorische Kirchen im evangelischen Kirchenkreis Dortmund
Ulrich Althöfer – Zwölf Mal hingeschaut. Acht Jahrhunderte Geschichte in Kirchen entdecken
Michael Basse – Dortmunder Predigten
Johannes M. Ruschke – »Allein Gott in der Höh sei Ehr! So sagen und singen wir alle Tage in unserm Herzen«. 500 Jahre evangelische Kirchenmusik
Günter Birkmann – »Höchstnötiger Unterricht im Christentume«. Evangelische Schulen
Ina Annette Bierbrodt – Schatzkammer im Reinoldinum. 175 Jahre Evangelische Bibliothek
– Ökumene –auch der Religionen
Günter Birkmann – »Die Zeiten einer krassen Polemik sind nicht mehr«. Streitbare Konfessionen
Wolfgang Buchholz – Wellinghofer Geschichte(n)
Günter Birkmann – »Entzünde in uns eine herzliche Liebe zu deinem Volk Israel«. Christen und Juden
Wolfgang Dembski – Ökumene in Dortmund. Ein katholischer Rückblick
– Reden allein reicht nicht
Matthias Dudde – Von der Armenfürsorge zur Inneren Mission
Hermann-Ulrich Koehn – Handlangerin Gottes: Anna Krauß
Ingeborg Sundermeier – Auf der Seite der Schwächeren. Mehr als 100 Jahre Frauenhilfe
Hermann-Ulrich Koehn – Dienst und Liebe: Marie Krueger
Heidemarie Wünsch – »Wir sind unseren Weg einsam gegangen«. Erste Theologinnen in und aus Dortmund
Hermann-Ulrich Koehn – Kampf gegen Hunger und Wohnungsnot. Flüchtlinge im Blickfeld der Kirche
Ralf Wieschhoff – Asyl und Flüchtlingspolitik. Die Dortmunder Kirchen und die Flüchtlingsfrage
Detlev Brum – Heidenmission – Deutsche Mission – Weltmission. Von der (Kolonial-) Missionsbewegung zur Ökumene
– Kohle, Krieg und Kirchenkampf
Jens Murken – Die Evangelischen Kirchengemeinden in und um Lünen
Hermann-Ulrich Koehn – Kirche zwischen Hochofen und Förderturm. Die Arbeitswelt fordert Kirche heraus
Michael Basse – Kanzel in der Kronenburg statt in der Reinoldikirche: Gottfried Traub
Klaus-Bernhard Philipps – Glocken und Kanonen. Kirche im Ersten Weltkrieg
Johannes Weissinger – Zwischen Borsigplatz und Rheinlanddamm. Frühe Friedensstimmen aus Dortmund
Günter Birkmann– »Unsere Pfarrer haben versagt«. Hans Tribukait: Ein liberaler und streitbarer Pfarrer
Traugott Jähnichen – Der Kirchenkampf in Dortmund. Lokale Ereignisse und die Rolle Dortmunds als Zentrum der westfälischen Bekennenden Kirche
Jürgen Kampmann – »Als wollten wir die Reformation korrigieren«: Hans-Joachim Iwand
Claudia Seyfried – »Wer viel hat, von dem wird auch viel gefordert«: Fritz Heuner
– Wiederaufbau und Strukturwandel –Neue Herausforderungen für Kirche und Diakonie
Jens Murken – »Die Gemeinden können leichter in die City als zueinander kommen«. Zum Leben der Dortmunder Kirchengemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg
Hermann-Ulrich Koehn – Seelsorger unter Ausgegrenzten: August Schnarr
Hermann-Ulrich Koehn – Fürsorge für Flüchtlinge, Kriegswaisen und Obdachlose. Die soziale Arbeit der Kirche in der Nachkriegszeit von 1945 bis 1960
Klaus-Bernhard Philipps – Antworten auf Herausforderungen der Zeit. Diakonie nach 1960
Klaus-Bernhard Philipps – Aus eins mach fünf – aus fünf mach eins. Teilung und Wiederzusammenführung des Kirchenkreises Dortmund
Jürgen Vollmer – »Ich liebe meine Kirche«. Brambauer 1900 bis 2000
Matthias Dudde – Der Geist weht, wo er will. Kirchentage in Dortmund
Ulf Schlüter – Vertrauen und verändern. Ein Blick in die evangelische Zukunft nach 2017

Pfarrer Martin Waltemath. 1943-1953 in russischer Kriegsgefangenschaft

waltemath

Friedhelm Theiling, Jens Murken (Hg.)
Pfarrer Martin Waltemath
Aus Morgen und Abend wird ein neuer Tag!
1943-1953 in russischer Kriegsgefangenschaft

Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen, Band 20

360 Seiten, Paperback, Format 16 x 23,5 cm
ISBN 978-3-7858-0636-4

Inhaltsverzeichnis

24,95 EUR, inkl. 7 % MwSt. zzgl. Versandkosten

Am 26. September 1953 kehrte der westfälische Pfarrer Martin Waltemath (1907-1960) im Alter von 46 Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurück. Seine Erlebnisse als Divisionspfarrer der 6. Armee im Kessel von Stalingrad, seine Gefangennahme und die fast elfjährige Gefangenschaft in verschiedenen russischen Lagern und Gefängnissen hat er im Frühjahr 1954, ein halbes Jahr nach seiner Heimkehr, aufgeschrieben.

Martin Waltemath hat aus der Erinnerung heraus eine ausführliche Darstellung mit vielen Details verfasst. Einer seiner ehemaligen Kameraden, der den Gefangenschaftsbericht gelesen hat, war nach der Lektüre nicht überrascht: „Der Bericht unseres lieben Martin hat viel, viel in mir wieder lebendig werden lassen. Es bleibt doch ein Wunder, dass wir überhaupt aus diesem Grauen wieder herausgekommen sind! … Ich habe gestaunt, mit welcher Genauigkeit Martin alles niedergeschrieben hat. Was hatte er für ein gutes Gedächtnis! Wie oft habe ich ihm das gesagt und ihn darob bewundert!“

Das Buch bettet den Gefangenschaftsbericht von Martin Waltemath in dessen Lebens- und Berufsweg ein. In den Jahren 2012 und 2013 von Cornelia Bischof geschaffene Bilder ergänzen, illustrieren und kommentieren den Bericht und Leidensweg von Martin Waltemath.

Die anderen Herausgeber und Bearbeiter:
Friedhelm Theiling, Jahrgang 1943, war Pfarrer in der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Hausberge (1971-1991) sowie in der Evangelisch-Lutherischen Neustädter Marien-Kirchengemeinde Bielefeld (1991-2001).

Cornelia Bischof, Jahrgang 1971, aus Möllenbeck/Rinteln, ist Malerin, Designerin, Grafikerin, Erzieherin, Kostümbildnerin und Puppenspielerin.

Jüdische Vielfalt zwischen Ruhr und Weser

12334-3_Keller.inddManfred Keller, Jens Murken (Hg.)
Jüdische Vielfalt zwischen Ruhr und Weser
Erträge der Biennale: Musik & Kultur der Synagoge 2012/2013

Reihe: Zeitansage. Schriftenreihe des Evangelischen Forums Westfalen und der Evangelischen Stadtakademie Bochum, Bd. 7,
2. Auflage, 2014, 392 S., 34.90 EUR, gb.,
ISBN 978-3-643-12334-3

Jüdisches Leben in Deutschland begann mit der Ansiedlung von Juden an Flüssen und Handelsstraßen. Der Sammelband widmet sich der deutsch-jüdischen Geschichte an Weser und Ruhr. Er bewegt sich zunächst überblicksartig vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, richtet dann aber einen genaueren Blick auf die Geschichte jüdischer Gemeinden in Westfalen. An die Seite des ersten Teils zur „Geschichte“ wird ein zweiter Teil zur „Kultur“ gestellt, der in die Segmente „Synagoge“, „Musik“, „Literatur“ und „Bildende Kunst“ untergliedert ist. Alle Beiträge zeigen unterbrochene, aber auch wiederentdeckte Traditionslinien jüdischen Lebens im lokal- und regionalgeschichtlichen Kontext. So spiegeln sie höchst anschaulich die schmerzlichen Verluste wie die hoffnungsvollen Neuansätze jüdischer Kultur im Raum zwischen Ruhr und Weser.

75 Jahre Barmer Theologische Erklärung

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Jens Murken (Hg.)
„Ein kirchengeschichtliches Ereignis“
75 Jahre Barmer Theologische Erklärung

Schriften des Landeskirchlichen Archivs
der Evangelischen Kirche von Westfalen, Band 14

192 Seiten, Paperback, 12,95 Euro
ISBN 978-3-7858-0615-9

Inhaltsverzeichnis

Die Barmer Theologische Erklärung (BTE)
wurde am 31. Mai 1934 von der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche beschlossen. Lutheraner, Unierte und Reformierte formulierten darin gemeinsam die theologische Bekenntnisgrundlage für die „Bekennende Kirche“ in der Hochphase des sog. „Kirchenkampfes“ während des Nationalsozialismus. Mit der BTE wurden die Ansprüche der von der NSDAP unterstützten „Deutschen Christen“ auf die evangelische Kirche zurückgewiesen. Nach 1945 ist die BTE in die Kirchenordnungen und Verfassungen vieler evangelischer Landeskirchen in Deutschland aufgenommen worden.

Im Jahr 2009 wurde in der Evangelischen Kirche von West­falen nicht nur an den 75. Jahrestag der Barmer Theologischen Erklärung erinnert, sondern auch an den 25. Todestag des Gründers des Pfarrernotbundes und Hitlergegners, Martin Niemöller, sowie an den 100. Geburtstag des letzten lebenden Teilnehmers der Barmer Bekenntnissynode, Hans Thimme.

Das vorliegende Buch versammelt wissenschaftliche Aufsätze, Andachten und Unterrichtsentwürfe, die die Weiterarbeit an der Geschichte und an der Wirkungsgeschichte der Barmer Theologischen Erklärung ermöglichen.

OWL – Heimat für Fremde?

owlbuchHallerberg, Michael / Kindt, Fabian / Arbeitskreis ostwestfälisch-lippische Archive

Heimat für Fremde? Migration und Integration in Deutschland vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart mit Beispielen aus Ostwestfalen-Lippe

(Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen, Bd. 16)

Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2011

ISBN :  978-3-89534-926-3
272 S., 25,0 x 17,0 cm, gebunden, Hardcover
Preis:  14,90 Euro

Entgegen dem bundesrepublikanischen Trend überaltert die Gesellschaft in Ostwestfalen-Lippe (OWL) nicht. Der Regierungsbezirk Detmold wird im Jahr 2020 die im Durchschnitt jüngsten Einwohner in Deutschland besitzen. Ursächlich für diese Entwicklung ist ein hoher Anteil an »Migranten« innerhalb der Bevölkerung. Migrationserfahrungen und Wanderungsbewegungen kennzeichnen das Einwanderungsland Deutschland seit 1945. Anhand von Quellen aus ostwestfälisch-lippischen Archiven wird diese Geschichte bis in die Gegenwart nachgezeichnet. Das Ankommen und das Weggehen verändern die Abgabegesellschaft wie die Aufnahmegesellschaft. Integration muss ein wechselseitiger Prozess sein, in dem die Bedürfnisse der Immigranten und die der Aufnahmegesellschaft verhandelt werden. Der Fremde, der Gast wird im Idealfall zum Mitbürger und zur Mitbürgerin. OWL – Heimat für Fremde?

Rezensionen:

#1
Der Band vermittelt einen dichten und differenzierten Überblick über die Geschichte der Zuwanderung vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart in Deutschland. Die 34 Beispiele aus Ostwestfalen-Lippe verdeutlichen, wie sich die allgemeine Geschichte von Einwanderung und Eingliederung in einer Region darstellt, in der heute ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweist. Die zahlreichen Abbildungen, die den Exkursen zugeordnet sind, vermitteln auch visuelle Eindrücke von den (zum Teil sehr bedrückenden) Lebensbedingungen der Zuwanderer und Zuwanderinnen und ihrem Alltagsleben. Der Arbeitskreis ostwestfälisch-lippische Archive hat mit seiner Arbeit auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag geleistet, damit aus dem Fragezeichen im Titel ein Ausrufezeichen werden kann: OWL – eine Heimat für Fremde!
Jürgen Scheffler, in: Lippische Mitteilungen 81, 2012

#2
Am Beispiel Ostwestfalen-Lippes zeigen Michael Hallerberg und Fabian Kindt sowie der Arbeitskreis ostwestfälisch-lippischer Archive anhand ausgewählter Quellen aus ostwestfälisch-lippischen Archiven die Geschichte und Gegenwart der Einwanderung und Integration in Deutschland auf. Gerade der Regierungsbezirk Detmold ist von der Migration stark geprägt, er wird im Jahr 2020 durchschnittlich die jüngsten Einwohner Deutschlands haben. Der Quellen nahe Band stellt die Alliierte Besatzungspolitik, Displaced Persons, die DDR-Flüchtlinge und Heimatvertriebene zwischen 1945 und 1961 als Hypothek des Zweiten Weltkrieges dar. Die Migration wurde dann von »Gastarbeitern« aus dem Mittelmeerraum sowie in den achtziger und neunziger Jahren von Asylbewerbern sowie Aussiedlern aus Osteuropa und DDR-Übersiedlern geprägt. In einem eigene Kapitel werden die politische und öffentliche Zuwanderungsdebatte seit dem Jahr 2000 dargestellt. Herausgearbeitet wird, wie sich Ostwestfalen-Lippe seit dem späten 19. Jahrhundert vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland gewandelt hat. Die Migrations- und Integrationsgeschichte wird mit ihren Hintergründen und Kontroversen dargestellt, so dass deutlich wird, wie Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität integriert wurden.
Rainer Hering, in: Auskunft 33, 2013

#3
Einen großen Bogen gespannt
Autoren aus ganz OWL schreiben das Buch zur Wanderausstellung »Heimat für Fremde?« im Zellentrakt
»Das Buch ist keine Erfolgsgeschichte – es spricht vor allem auch die vielen Probleme an, die mit der Migration und Integration in OWL einher gehen«, fasst Dr. Jens Murken zusammen. Der Archivar der Evangelischen Kirche von Westfalen ist einer der zahlreichen Autoren aus ganz Ostwestfalen-Lippe, die an »Heimat für Fremde?« mitgeschrieben haben – dem Buch zur gleichnamigen Wanderausstellung.
Noch bis Anfang April sind die Zeitzeugnisse im Zellentrakt des Herforder Rathauses zu besichtigen. Gestern trafen sich dort einige der Autoren, um das Buch vorzustellen.
»Das Schwergewicht der Beiträge liegt in der Einwanderungsgeschichte der früheren Nachkriegszeit«, erklärt Jens Murken, der den Arbeitskreis der Archivare während der dreijährigen Entstehungsgeschichte des Buches koordinierte. »Die Chronik der Asylbewerber und Spätaussiedler ist noch nicht so in den verschiedenen Archiven angekommen.«
Wohl aber die Geschichten der dazwischen liegenden Jahre: die der Gastarbeiter. So schreibt der Herforder Sven Krüger über die so genannten Vorbereitungsklassen in den späten 1960er Jahre. Diese Klassen, in denen zu zwei Dritteln muttersprachlicher und zu einem Drittel deutscher Unterricht stattfand, gingen auf eine Verordnung des Kultusministers von 1968 zurück.
Deutsche und ausländische Lehrer unterrichteten für ein bis zwei Jahre alle Kinder, die dem deutschsprachigen Unterricht noch nicht folgen konnten. Am Beispiel des kleinen Türken Yüksel macht Krüger deutlich, dass die Bemühungen nicht immer von Erfolg gekrönt waren.
Kerstin Stockhecke vom Hauptarchiv Bethel in Bielefeld weiß von eingewanderten Jugoslawinnen in den 60er und 70er Jahren zu berichten, die damals etwa 90 Prozent der Gebäudereinigung ausmachten. Sie räumt unter anderem mit der klassischen Vorstellung auf, dass es immer die südländischen Männer waren, die ihre Familien später nach Deutschland holten. »In diesem Fall waren es meist die Frauen, die nach Deutschland kamen und die Angehörigen später nachholten«, sagt Stockhecke.
Viele gingen zurück in ihre Heimat, andere blieben. Experten schätzen, dass etwa 25 Prozent der OWL-Bevölkerung einen Migrationshintergrund haben. Der hohe Anteil an Migranten hat übrigens eine interessante Auswirkung: Im Regierungsbezirk Detmold werden im Jahr 2020 die im Durchschnitt jüngsten Einwohner Deutschlands leben.
»Wir dürften die ersten sein, die einen so großen Bogen gespannt und ein so umfassendes Werk zu dem Thema vorgelegt haben«, sagt Dr. Jens Murken.
Meiko Haselhorst, in: Neue Westfälische, 10.2.2012, Herford

#4
Drei große Migrationswellen
Buch zur Ausstellung »OWL – Heimat für Fremde?« präsentiert
Schon seit dem 19. November können Interessierte die Ausstellung »OWL – Heimat für Fremde?« in der Gedenkstätte Zellentrakt besichtigen. Nun hat der Arbeitskreis den dazugehörigen Begleitband vorgestellt.
»Dass der Termin der Präsentation heute stattfindet, ist ein Glücksfall. Gerade erst wurde im Düsseldorfer Landtag das neue Migrationsgesetz verabschiedet«, berichtet Dr. Jens Murken, der die Zusammenarbeit der beteiligten Archive koordiniert hat. Das Buch, das genauso wie die Ausstellung das Thema Migration in Ostwestfalen-Lippe aufgreift, sei aber »kein typischer Begleitband«, so Murken. »Vielmehr werden darin die Inhalte der Ausstellung in eine gesamtdeutsche Rahmenhandlung eingefügt«, ergänzt Christoph Laue, Leiter des Kommunalarchivs Herford. Die Exkurse, die auch von lustigen und tragischen Begebenheiten aus der Region erzählen, sorgen dabei für Abwechslung beim Lesen.
Der in drei Jahren Arbeit entstandene und 272 Seiten starke Band bezieht sich inhaltlich auf die drei großen Migrationswellen, die nach 1945 in Deutschland einsetzten. Der Blick richtet sich dabei auf die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, auf die Gastarbeiter, die seit den 1950er ins Land kamen und zuletzt auf die Spätaussiedler.
»Mit diesem Buch sind wir die ersten, die die drei Ströme der Zuwanderung lokal beziehungsweise regional erforscht haben«, berichtet Murken. Er bemängelt, dass »die heutige Forschung ihren Schwerpunkt immer noch auf die Zeit kurz nach dem Krieg setzt«.
Die zur Präsentation anwesenden Autoren machten abschließend deutlich, dass der Begleitband auch zum Nachdenken anregen soll. Christoph Laue appellierte dabei besonders an die Politik. »Das Buch gibt genügend Beispiele dafür, wie Einwanderungspolitik nicht funktioniert. Vielleicht hilft es dabei, Fehler in der Zukunft zu vermeiden«, meint Laue.
Benedikt Paweltzik, in: Westfalen-Blatt, 13.2.2012, Herford

#5
Neue Heimat OWL
Ausstellung und Buch erzählen von der Einwanderung in die Region seit 1945
Die Geschichte OWLs seit 1945 ist eine Geschichte der Einwanderung. Mit einer Ausstellung und einem Buch wird dieses Kapitel der Regionalhistorie erstmals umfassend dargestellt.
Von wegen bodenständig: »Die Hälfte der Menschen in Ostwestfalen-Lippe hat in der Eltern- oder Großelterngeneration ein Wanderungsschicksal«, sagt Jens Murken, Leiter des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sein Haus sowie 14 andere kommunale, kirchliche und diakonische Archive der Region haben die Ausstellung »OWL – Heimat für Fremde?« konzipiert, die seit gestern in Bielefeld-Bethel zu sehen ist.
Von zwei Millionen OWLern haben 440.000 ausländische Wurzeln, allein 96.000 sind es in Bielefeld und damit fast jeder dritte Bürger. So individuell jede Lebensgeschichte ist, so unterschiedlich waren die Einwanderungswellen. Alles begann mit den Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Bis 1948 kamen 200.000 Vertriebene in die Region, wo ein dramatischer Wohnraummangel herrschte. Zwangszuweisung war die Folge. »Eine Familie ein Zimmer« lautete vielerorts die Formel. 1949 klagte ein Polizeimeister in Herford über »menschenunwürdiges Wohnen«. 1950 war jeder Sechste in OWL ein Ostflüchtling.
Gegen Ende des Jahrzehnts kamen die ersten »Gastarbeiter« – und blieben. In Bielefeld lebten 1960 gut 3000, 1971 bereits mehr als 12.000. Ihr Weg Richtung Integration über Arbeitsplatz oder sogenannte Vorbereitungsklassen für ausländische Kinder an den heimischen Schulen zeichnet die Ausstellung auf Schautafeln sowie anhand von Exponaten in Vitrinen nach. Die Spätaussiedler aus Osteuropa nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bescherten der Region die bislang letzte große Einwanderungswelle. Vor allem sie sorgt dafür, dass OWL im Jahr 2020 – so die Prognosen – die jüngste Region Deutschlands sein wird. Aber auch die Asylbewerberdebatte der 80-er Jahre, der Dialog mit dem Islam, der zaghafte Beginn jüdischen Lebens nach dem Holocaust finden ihren Niederschlag in der Ausstellung.
Sie war in Teilen bereits in Herford zu sehen. Erstmals vollständig wird sie noch bis zum 8. Juni (werktags zwischen 9 und 16 Uhr sowie nach Vereinbarung) im Archivzentrum Bielefeld-Bethel, Bethelplatz 2, gezeigt. In den kommenden eineinhalb Jahren wandert sie durch die Region: nach Lemgo, Paderborn, Gütersloh und Detmold. Begleitend ist das 270 Seiten starke, reich bebilderte Buch »Heimat für Fremde?« erschienen. »Es eignet sich auch für den Schulunterricht«, sagt Archivleiter Murken.
Bernd Bexte, in: Westfalen-Blatt, 26.4.2012, Ostwestfalen-Lippe

#6
Bevölkerungsbewegungen sind ein bestimmendes Phänomen für die deutsche Nachkriegszeit und die gesamte 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, das danach verlangt – wie Jens Murken im Vorwort schreibt – »Migration zu historisieren, nach den Bedingungen des Landes als Heimat für Fremde zu fragen«. In dem Buch geschieht diese Historisierung auf besondere Weise. Zum einen erfolgt die Auseinandersetzung mit dem Thema aus einer Region heraus, die ebenfalls eine Nachkriegsschöpfung ist: »OWL« – also Ostwestfalen-Lippe, und die man gar nicht unbedingt mit Zuwanderung in Verbindung bringt, obwohl mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung dort einen Migrationshintergrund hat. Zum anderen nehmen sich die Archive der Region dieses Themas an – wohl nicht die Einrichtungen, die man als Impulsgeber für eine solche Diskussion erwartet. Entstanden ist eine Wanderausstellung und der vorliegende Begleitband, der sich in fünf Abschnitte aufteilt: Der erste (S. 29-122) beschäftigt sich mit der »Hypothek des Zweiten Weltkriegs«, von den Displaced Persons, über die Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bis hin zu den »Republikfl üchtlingen«, die aus der DDR nach OWL einwanderten. Das Folgekapitel nimmt die Gastarbeiter in den Blick, die seit den 1960er Jahren aus der Mittelmeerregion aber auch aus Polen in die Region kamen (S. 123-170). Die »Asyldebatte« der 1980er und 1990er, die Ausgrenzung und die Integrationsansätze der politischen Flüchtlinge füllen den nächsten Teil (S. 171-196). Die jüngste Zuwanderungswelle nach der Vereinigung von BRD und DDR und dem Zusammenbruch der kommunistischen Länder in Osteuropa wird auf S. 197-224 thematisiert. Die aktuellen Diskussionen zum Staatsbürgerrecht und zu den heutigen Integrationsbemühungen beschließen die Themenfolge und leiten zu einer kurzen Zusammenfassung über (S. 225-245).
Den Hauptkapiteln sind zur Illustration und zur Vertiefung von Einzelaspekten sogenannte »Exkurse« beigestellt. Sie konkretisieren einzelne Fragestellungen indem sie sie für einen Ort/einen Kreis oder eine Einrichtung nachvollziehen. Sie bilden Kristallisationspunkte für die Geschichtsund Archivarbeit, an denen die Beschäftigung der Bevölkerung mit dem lange verdrängten Thema der Zuwanderung einsetzen kann. Für die archivische Tätigkeit erbrachte die Quellensichtung und -auswertung der Autorinnen und Autoren, dass die Phänomene der Nachkriegszeit besser dokumentiert sind als die der letzten 40 Jahre. Damit auch dieser Teil der Geschichte in den Archiven der Region nachvollziehbar bleibt, appellieren die beteiligten Archive an die Zuwanderer und -organisationen organisationen sich mit »mehr nicht-amtliches Schriftgut« an der Überlieferungsbildung zu beteiligen.
»Heimat für Fremde?« ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich Archive in aktuelle politische Fragen einbringen können und welche wichtige Rolle sie als gesellschaftliches Korrektiv spielen. Das Buch macht Vieles, was für die Wanderausstellung erarbeitet worden ist, nachnutzbar und es ist zu wünschen, dass es die Diskussion um das Thema Migration und die historische Forschung dazu in den kommenden Jahren anregen wird.
Peter Worm, in: Archivpflege in Westfalen und Lippe 76, 2012

#7
Seit seinem Werden ist der Mensch auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen in Bewegung. Längerfristig geändert hat sich dies wohl vor allem durch die Sesshaftwerdung vor etwa 10000 Jahren, als dem Menschen die Möglichkeiten und Vorteile der Vorratshaltung bewusst und beherrschbar wurden. Hauptsächlich neue technische Beförderungsmöglichkeiten und Herstellungsverfahren haben allerdings spätestens seit dem 19. Jahrhundert wieder zu bedeutenden Verlagerungen geführt, die nunmehr als Migration bezeichnet werden.
Migration verlangen Unternehmer auf der Suche nach billigen Arbeitskräften zwecks Gewinnsteigerung und Kostenverringerung. Migration suchen Politiker, deren kaum wirklich überzeugende Politik den natürlichen Reproduktionswunsch ihrer Bevölkerung schwinden lässt oder beseitigt, so dass sie in Sorge um den Fortbestand des menschlichen Substrats ihrer Herrschaft geraten. Migration wünscht schließlich jeder, der sich irgendeinen, meist wirtschaftlichen Vorteil hiervon verspricht.
Die Verfasser gehen voll Stolz davon aus, dass entgegen dem bundesrepublikanischen Trend die Gesellschaft in Ostwestfalen-Lippe um Bielefeld und Paderborn nicht überaltert, sondern der Regierungsbezirk Detmold im Jahre 2020 die im Durchschnitt jüngsten Einwohner in Deutschland haben wird, wofür jedoch nicht die geschichtliche Ostwestfalität als solche, sondern ein hoher Anteil an Migranten ursächlich ist. Von hier aus verfolgen sie mit zahlreichen Exkursen chronologisch die historische Entwicklung von der Hypothek des Zweiten Weltkriegs über die Gastarbeiter aus dem Mittelmeerraum, die Asylbewerber und die Asyldebatte in den 1980er und 1990er Jahren sowie die Einwanderung von Aussiedlern aus Osteuropa und DDR-Übersiedlern in die Bundesrepublik Deutschland bis zur politischen und öffentlichen Zuwanderungsdebatte seit der Jahrtausendwende. Am Ende ihres vielfältigen, im Detail von zahlreichen engagierten Mitarbeitern gestalteten, mit Abbildungen veranschaulichten, urheberrechtlich der evangelischen Kirche von Westfalen zugeordneten Werkes bieten sie eine bilanzierende, den Idealfall im Wandel des Gastes zum Mitbürger und zur Mitbürgerin sehende Zusammenfassung, ein Literaturverzeichnis und eine Auswahlbibliographie.
Gerhard Köbler, in: Zeitschrift integrativer europäischer Rechtsgeschichte (ZIER) 2, 2012

#8
Der Band ist als Begleitpublikation zu der gleichnamigen Ausstellung erschienen, die vom Arbeitskreis ostwestfälisch-lippische Archive erarbeitet worden ist und die in verschiedenen Archiven der Region gezeigt wird. Die Autoren und Autorinnen wollen mit ihrem Buch einen Überblick über die Geschichte der Migration und der Integration in der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft vermitteln, am Beispiel der Region Ostwestfalen-Lippe. Integration wird dabei als wechselseitiger Prozess definiert, in dem sich nicht nur die Einwanderer, sondern auch die Aufnahmegesellschaft verändert und, wie es Jens Murken in seinem Vorwort formuliert, »im Idealfall bereichert« wird.
Michael Hallerberg und Fabian Kindt stellen in ihren Texten die Geschichte der Migration und der Integration von den unmittelbaren Nachkriegsjahren bis in die jüngste Vergangenheit dar. Sie stützen sich dabei auf den Forschungsstand der vergangenen Jahre. Im zweiten Hauptteil beschäftigen sie sich mit Flucht und Vertreibung als »Hypothek des Zweiten Weltkriegs« und ihren Folgen, mit der Flüchtlingspolitik sowie mit dem Leben der Heimatvertriebenen zwischen Umsiedlung, Wohnungsbau und Lastenausgleich. Im dritten Hauptteil steht die Zuwanderung der sog. Gastarbeiter im Zentrum. Im vierten Hauptteil geht es um die Asylbewerber und die Asyldebatte in den 1980er und 1990er Jahren, im fünften um die Einwanderung von Aussiedlern aus Osteuropa und der DDR. Abschließend widmen sie sich der öffentlichen und politischen Zuwanderungsdebatte seit der Jahrtausendwende.
An die Übersichtsdarstellungen zu den einzelnen Kapiteln und Abschnitten schließen sich Exkurse verschiedener Autoren und Autorinnen an, die vielfältige Aspekte der Migration und Integration an Beispielen aus der Region Ostwestfalen-Lippe darstellen. Im Anschluss an die Einleitung gibt Rico Quaschny einen Überblick über die Geschichte des Hauptquartiers der Britischen Rheinarmee in Bad Oeynhausen. Im zweiten Hauptteil schreiben Rolf-Dietrich Müller über das Sozialwerk Stukenbrock, Christoph Laue über die Rückführung der Zwangsarbeiter aus der Region, Dagmar Giesecke über die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Bielefeld nach 1945 und Hans-Jörg Kühne über die Beckhofsiedlung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Der dritte Teil umfasst Beiträge über den Orts-Flüchtlingsausschuss in Lemgo (Marcel Oeben), die Eingliederung der Vertriebenen im Kreis Herford (Christoph Laue), das Ostvertrieben-Sozialwerk Detmold (Hermann Niebuhr) sowie die Ansiedlung katholischer Flüchtlinge in den evangelischen Landesteilen (Arnold Otto).
Jens Murken weist in seinem Vorwort darauf hin, wie lückenhaft die Überlieferung zum dritten Themenschwerpunkt ist, der Zuwanderung und der Integration der Gastarbeiter. So fehlt vor allem nicht-amtliches Schriftgut von Menschen mit Migrationshintergrund. Umso wichtiger sind die Beiträge dieses Themenschwerpunktes (u.a.) über die erste Gastarbeitergeneration im Kreis Herford (Christoph Laue und Benedikt Paweltzik), über Gastarbeiter in Bielefeld (Bernd J. Wagner), die sog. Griechenbetreuung des Evangelischen Gemeindedienstes in Bielefeld (Bärbel Thau) und die jugoslawischen Gastarbeiterinnen in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel (Kerstin Stockhecke). Zum Thema Asylpolitik und Asylbewerber haben Christoph Laue (Aussiedler und Asylbewerber in Herford), Jens Murken und Carsten Stühring (Kirchenasyl) und Arnold Otto (Integrationshilfe und Beratung für Asylbewerber und Spätaussiedler) Beiträge beigesteuert, zum Thema Aussiedler aus Osteuropa und aus der ehemaligen DDR Bärbel Thau (Aussiedlerbetreuung im Übergangswohnheim Teichsheide in Bielefeld) und Rolf-Dietrich Müller (Übersiedlerwohnanlage Staumühle bei Sennelager). Abschließend beschäftigen sich Carsten Stühring und Ricarda Twellmann mit dem interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen, und Monika Guist porträtiert Khatareh Soltani, die mit ihrer Familie aus Afghanistan geflohen ist und seit dem Jahr 2000 in Herford lebt.
Der Band vermittelt einen dichten und differenzierten Überblick über die Geschichte der Zuwanderung vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart in Deutschland. Die 34 Beispiele aus Ostwestfalen-Lippe, als Exkurse gekennzeichnet, verdeutlichen darüber hinaus, wie sich die allgemeine Geschichte von Einwanderung und Eingliederung in einer Region darstellt, in der heute ein Drittel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweist. Die zahlreichen Abbildungen, die den Exkursen zugeordnet sind, vermitteln auch visuelle Eindrücke von den (zum Teil sehr bedrückenden) Lebensbedingungen der Zuwanderer und Zuwanderinnen und ihrem Alltagsleben. Dem Band und der Ausstellung ist eine breite Resonanz zu wünschen. Der Arbeitskreis ostwestfälisch-lippische Archive hat mit seiner Arbeit auf jeden Fall einen wichtigen Beitrag geleistet, damit aus dem Fragezeichen im Titel ein Ausrufezeichen werden kann: OWL – eine Heimat für Fremde!
Jürgen Scheffler, in: Lippische Mitteilungen 81, 2012

#9
Zu den beachtenswertesten Neuerscheinungen zählt zweifelsohne die von ostwestfälisch-lippischen Archivarinnen und Archivaren erarbeitete Studie zur Migrationsgeschichte der Region nach 1945. Redakteur Jens Murken, Leiter des Landeskirchlichen Archivs in Bielefeld, benennt mehrere Sonderbedingungen, die die Untersuchung besonders für Ostwestfalen-Lippe relevant erscheinen lassen. Eine Region, die im 19. Jahrhundert überdurchschnittlich viele Menschen durch die Auswanderung nach Amerika verlor, zeichnet sich in der jüngsten Vergangenheit durch einen ebenso hohen Grad der Einwanderung aus. Dieser Gewinn ist nicht nur an einem günstigeren Verlauf der demografischen Entwicklung ablesbar, sondern gebietet ein genaueres Hinschauen auf den Einzelfall, der die vermeintlich Alt-Eingesessenen für ihre eigene Herkunftsgeschichte sensibilisiert.
Das Interesse gilt zunächst der kriegsbedingten Zuwanderung von Flüchtlingen und Vertriebenen vermittels einzelner Ortsstudien. ohnbaracken und die sogenannten Nissenhütten stehen für Lebensbedingungen, die heutzutage eher in der Dritten Welt die Regel sind. Dass die massenhafte Beschäftigung von Südeuropäern und Türken als ephemere Erscheinung begriffen wurde, zeigt die Bezeichnung dieser Arbeitsmigranten als Gastarbeiter. Die Untersuchung ihrer Lebensbedingungen steht erst am Anfang. Inhaltlich wie methodisch wird in der anzuzeigenden Studie Pionierarbeit geleistet. Den regionalen Auswirkungen staatlicher Asylpolitik in den 1990er Jahren folgt die Untersuchung der Bedingungen und Folgen der Zuwanderung aus Osteuropa und der DDR. Bei der aktuellen Debatte um die Integrationspolitik steht vor allem das interreligiöse Gespräch im Vordergrund.
Wohl selten haben sich Archivarinnen und Archivare so engagiert eines der bedeutsamsten gesellschaftspolitischen Gegenwartsthemen angenommen. Profitieren konnten sie von den wissenschaftlichen Erträgen des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück. Eine ergänzende Wanderausstellung unterstreicht den Anspruch, Ostwestfalen-Lippe als Heimat für Fremde aspektreich zu präsentieren.
Rolf Westheider, in: Heimatjahrbuch Kreis Gütersloh, 2012

Das Erbe des Theologen Hans Ehrenberg

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Manfred Keller, Jens Murken (Hg.)

Das Erbe des Theologen Hans Ehrenberg
Eine Zwischenbilanz
Reihe: Zeitansage. Schriftenreihe des Evangelischen Forums Westfalen und der Evangelischen Stadtakademie Bochum
Bd. 4, 2009, 272 S., 29.90 EUR, gb., ISBN 978-3-643-10427-4
Hans Ehrenberg (1883-1958), Christ jüdischer Herkunft, schuf mit dem jüdischen Religionsphilosophen Franz Rosenzweig in der Weimarer Zeit neue Ansätze für den christlich-jüdischen Dialog. Der Theologe Ehrenberg entwickelte eigenständige sozialethische und ökumenische Positionen, immer verbunden mit dem Willen zu verantwortlichem Handeln in Kirche und Gesellschaft. In seiner Zeit als Gemeindepfarrer in Bochum wurde er zum Vordenker der Bekennenden Kirche.

Dieser Band, erwachsen aus Tagungen des Evangelischen Forums Westfalen zum 125. Geburtstag und zum 50. Todestag Ehrenbergs, liefert pointierte Querschnitte zu seiner Biographie und Theologie. Einen Schwerpunkt bildet Ehrenbergs „dritter Lebensabschnitt“, die bisher wenig erforschte Zeit des englischen Exils und der Heimkehr nach Deutschland. – Die Beiträge zeigen nicht nur, dass Ehrenbergs Fragen überraschend aktuell sind. Sie leiten auch dazu an, sein theologisches Erbe für die Gegenwart zu erschließen und umzusetzen.

Dr. Manfred Keller, langjähriger Leiter der Evangelischen Stadtakademie Bochum, ist Vorsitzender des Evangelischen Forums Westfalen.

Die evangelischen Gemeinden in Westfalen, Band 1

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Jens Murken
Die evangelischen Gemeinden in Westfalen
Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart –
Band 1: Ahaus bis Hüsten
Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen
Kirche von Westfalen, Band 11
Luther-Verlag und Verlag für Regionalgeschichte
Bielefeld 2008
Umfang: 1047 S.; Preis: 59,00 Euro
(bei Subskiption beider
Bände: 88,00 Euro)
ISBN: 978-3-7858-0525-1
ISBN: 978-3-89534-711-5

Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) baut sich von den Gemeinden her auf. Derzeit gibt es 556 evangelische Kirchengemeinden in Westfalen. Nach ihrem in den 1990er Jahren mit rund 660 Kirchengemeinden erreichten Höchststand erforderte der demographische und gesellschaftliche Wandel, der Rückgang der Gemeindegliederzahlen auch in der westfälischen Landeskirche, einen Rückbau der kirchlichen Strukturen und eine Überprüfung der kirchlichen Aufgabenwahrnehmung auf allen Ebenen. Dieser landeskirchliche Reformprozess der Jahre 2000 bis 2008 erhielt den Titel „Kirche mit Zukunft“.

Die EKvW ist aber auch eine Kirche mit Vergangenheit. Je nach Region, nach politischer, konfessioneller und geistlicher Landschaft, besitzen die Gemeinden in Westfalen unterschiedliche, sehr vielfältige Traditionen. Knapp ein Drittel der Kirchengemeinden besitzt vorreformatorische Wurzeln, ein knappes anderes Drittel der Gemeinden ist aber auch erst in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkriegs in Diasporagebieten und durch die Aufteilung größerer Gemeinden entstanden.

Das historische Nachschlagewerk „Die evangelischen Gemeinden in Westfalen. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart“ bietet einen Kurzabriss zur Geschichte sämtlicher westfälischen Kirchengemeinden auf dem Gebiet der EKvW. Der jetzt erschienene erste Band des „Gemeindebuches“ umfasst die Kirchengemeinden von Ahaus bis Hüsten in alphabetischer Ordnung, führt die Pfarrerlisten sowie Literatur- und Quellenhinweise auf. Der abschließende zweite Band wird die Kirchengemeinden von Ibbenbüren bis Zurstraße sowie das Register und eine Bibliographie beinhalten.

Tag der Archive

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Jens Murken
Der „Tag der Archive“
Ein Instrument archivischer Öffentlichkeitsarbeit

AV Akademikerverlag, 2008
Einband: Kartoniert / Broschiert, Paperback
ISBN-13: 9783639441611
Umfang: 96 Seiten
Maße: 220 x 150 mm

Inhaltlich unveränderte Neuauflage 2012.

Seit dem Jahr 2001 gibt es in Deutschland einen „Tag der Archive“, 2008 bereits zum vierten Mal. Bundesweit nutzen hunderte von Archiven diesen Tag der offenen Tür zur Präsentation ihrer Einrichtungen und ihrer vielfältigen Aufgaben. Dabei ist ihnen bewusst: Anders als Museen oder Bibliotheken, die ebenfalls authentisches Material verwahren und für die Nutzung vorhalten, sind Archive in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt. Ihr Image ist negativ und überholt, die Assoziationen reichen bestenfalls von staubig bis geheimnisvoll. Archive sind jedoch längst keine Geheimorte mehr, sondern Lernorte. Ihr gesetzlicher Auftrag umfasst zahlreiche Dienstleistungen des Informationsmanagements, um Gegenwart und Nachwelt in der Flut der papiernen und digitalen Überlieferung Identität und Rechtssicherheit zu gewährleisten. – Grundlage der Studie stellt eine Umfrage unter deutschen Archiven zum Tag der Archive sowie zur Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit und Archivmarketing im Archivwesen dar. Das Buch wendet sich an die Leiter und Mitarbeiter großer und kleiner Archive, die ihre eigenen Instrumentarien auf dem Feld der archivischen Öffentlichkeitsarbeit überprüfen und verbessern möchten.

Kirchenarchiv mit Zukunft

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Kirchenarchiv mit Zukunft
Festschrift für Bernd Hey zum 65. Geburtstag

Herausgegeben von Brack, Claudia / Burkardt, Johannes / Günther, Wolfgang / Murken, Jens
Verlag für Regionalgeschichte
ISBN : 978-3-89534-700-9
gebunden, 29,00 Eur[D] / 30,00 Eur[A] / 35,00 CHF UVP
Schriften des Landeskirchlichen Archivs der Evangelischen Kirche von Westfalen 10

Für Bernd Hey (1942-2011) erfolgte die Auseinandersetzung mit Geschichte stets über den sinnlichen Eindruck: durch die Arbeit mit Originalquellen, durch Exkursionen sowie durch historische Ausstellungen und Filme. Die 30 Beiträge spiegeln das breite wissenschaftliche Interesse des Jubilars wider. Regionalgeschichtliche Studien behandeln die westfälische Geschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert, kirchenarchivische Abhandlungen erörtern die Bedeutung der Archive für das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft und der Archivbildner, Berichte über praktische Anwendungsgebiete belegen ganz im Sinne Heys die Bandbreite der Tätigkeiten und Wirkmöglichkeiten eines »Kirchenarchivs mit Zukunft«.

Dülmen 1930-1960

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Jens Murken u. a.:
Dülmen – Lebensgeschichten und Alltag 1930 – 1960.

1. Auflage.
Sutton Verlag, Erfurt, 2000. 128 Seiten. Zahlreiche Illustrationen und graphische Darstellungen. 23 x 17 cm. Kartoniert.

Reihe „Erzählte Geschichte“

Der Landkreis Osterholz 1932-1948

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Jens Murken

„De Geschicht is lögenhaft to vertellen, ober wohr is se doch …“
Der Landkreis Osterholz 1932-1948 : Zeitgeschichte im Gespräch /

Münster : Agenda Verl., 1999
Beschreibung: 440 S. : Ill., Graph. Darst., Kt. ; 23 cm
ISBN: 3896880470
Schriftenreihe: Agenda Geschichte ; 15

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